Warum Bulldog?

(Gesunder) Bulldog: ein richtiger Hund für die heutige Zeit

Wir haben mehr als 340 anerkannte Hunderassen und fast alle von ihnen waren noch vor kurzem ausgemachte Arbeitshunde. Der Border Collie ist ein hochspezialisierter Hütehund, der Labrador ein Apportierer aus dem Wasser und selbst der Dackel ist im Kern ein Jagdhund. Ihr über Jahrhunderte, Jahrtausende anerzogener Arbeitseifer führt heute nicht selten zu Problemen bei der Haltung als quasi arbeitsloser Begleiter in den Großstädten.

Auch der Bulldog war früher ein Arbeitshund, trieb Rinderherden, bewachte große Höfe, Schiffe, Brauereien und reisende Kaufleute und wurde als Gladiator in den Arenen Roms und Londons missbraucht. Der Bulldog ist der erste Hund überhaupt, der vom Arbeitshund zum Begleithund sozusagen umgeschult wurde. Bereits um 1830 begann man im großen Stil, den Bulldog als Begleithund eines Gentleman zu züchten. Der aufgestiegene Bürger wollte den britischen Nationalhund als Begleiter in den Straßen und Clubs der Metropolen des British Empire. So wurde der Bulldog zu dem Hund, mit dem die moderne Rassehundezucht ihren Anfang nahm.

In diesen fast 180 Jahren Zucht als BegleithunQualzucht-Bulldogs ACEB 2008d hat sich der Bulldog in Erscheinung und Wesen gewandelt. Sein Arbeitseifer hält sich nun in bescheidenen Grenzen, dafür wurden sein Charme und seine Liebenswürdigkeit sprichwörtlich. Es gibt nur wenige Hunde, die dem Menschen so zugewandt, so an ihm orientiert zugleich aber so eigenwillig sind, wie der Bulldog. Trotz seiner derben Erscheinung und Art zeigt er sich im Umgang mit seinen Menschen erstaunlich feinfühlig und elegant. Und trotz seiner Sturheit ist er sehr leichtführig, hat man erst einmal sein Herz erobert und ein wenig Konsequenz gezeigt.

"Höchstes Selbstbewusstsein wagt unbeschadet Selbstironie. Das Wesentliche im Charakter des Bulldogs ist seine große Ruhe, wohlerzogene Haltung in normalen Verhältnissen; sein rücksichtsloses Zupacken und unerbittliches Festhalten bei erwachtem Zorn, seine Zuverlässige Freundschaft, sein Güte Kindern gegenüber - Ein Gentleman!"
(Aga Gräfin vom Hagen, 1935)


Aber seine Existenz ist heute akut gefährdet!

Seit Mitte der 1970er Jahre nahm die Extremzucht ihren Siegeszug. Ohne Rücksicht auf seine Gesundheit wurde ihm von Züchtern ein immer skurillerer Körper verpasst und die Championate des VDH und FCI kamen gleich mit. Die extrem breiten Schultern, breit gestellten, kurzen Vorderläufe, riesige Köpfe namentlich bei Rüden waren zudem erst durch die Fortschritte der Tiermedizin überhaupt am lebenden Tier realisierbar. Der alte FCI-Standard ist ein Dokument der Qualzucht, nicht nur wenn breite Schultern und große Köpfe und zugleich schmale Hüften gefordert werden. Kaiserschnittquoten von weit über 80% und unzählige Mütter, die die Geburten nicht überlebten, sind eine der grausamen Folgen. Tief gelegt, mit massigen Falten bis über die zu kurze Nase, ebenso kurzem Hals mit umso längerer Wamme, vorne niedriger als hinten, mit zudem durchhängendem Rücken (Roach Back) - wer hier behauptet, das sei ein "richtiger" Bulldog hat, sorry, keinerlei Ahnung von Bulldogs! (und Respekt vor den Hunden auch nicht) Der Bulldog war bis zu unserer Zeit NIE ein solch schwerer Typ! Erst die Züchtergenerationen zwischen 1975 und heute und entsprechend kaufbereite Halter haben den Bulldog dazu gemacht. Die Zuchtvereine schweigen zu diesem Elend. Pecunia non olet. Man redet schön von Tierschutz und Liebe zum Bulldog, in der Realität betreibt man eine Qualzucht in nie gekanntem Ausmaß.
gesunder Bulldog 2010 www.fotodog.de
Der Teil der Bulldog-Szene heute, dem das Wohl der Hunde lieb ist, muss einen endgültigen Bruch vollziehen zu den seit den 1970er Jahren aktiven "Größen" der Szene, die dieses Elend der Hunde zu verantworten haben, aber heute meist im Hintergrund Fäden ziehen, teils aber sogar immer noch Ämter (z.B. im FCI-Show-Wesen) bekleiden, oder sich zuweilen neu kreierten Rassen zugewendet haben. Diese Leute haben soviel Blut - im übertragenen , aber auch im wörtlichen Sinne - an ihren Händen - denkt man alleine an die Mutterhündinnen - , dass sie diese nie wieder reinwaschen könnten, selbst wenn sie es wollten. Der für den Standard verantwortliche britische Kennel Club hat mit dem neuen Standard ein Signal des Aufbruchs und zugleich die Grundlage hierzu geschaffen. Doch die ablehnende Haltung der breiten Mehrheit der Szene hierzu lässt nichts Gutes für den Bulldog hoffen. Aber er hätte nur in Verbindung mit einem organisierten Gesundzuchtprogramm eine Zukunft.

Dann - und nur dann - hat der Bulldog eine große Zukunft.

Denn ein körperlich und mental gesunder Bulldog ist ein herrlicher Partner gerade auch in unserer heutigen Zeit. Der Lärm und die Hektik der Großstädte schert ihn kaum, er hat kaum Arbeitsdrang und ist mit ein oder zwei täglichen Spaziergängen, die er aber braucht, bereits zufrieden. Es gelingt ihm wundersam, uns nach einem stressigen Arbeitstag ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern, und er erzieht uns zu Besonnenheit und Überzeugungsarbeit. Mit ihm kann man problemlos in ein Restaurant gehen, im Hotel oder einer Ferienwohnung übernachten. Ideal-Bulldog, Strebel 1904 Zugleich ist er ein anspruchsloser Geselle, dem nichts wichtiger ist, als die Liebe seiner Menschen.
Idealbulldog nach Strebel
Viel typischer als das eh schon markante Äußere ist das Wesen eines Bulldogs. Der Bulldog ist ein einmaliger, nicht kopierbarer Charaktertyp der Hundewelt. Hoffen wir, dass uns dieser Hund mit seiner weit über 1.000-jährigen Tradition erhalten bleibt.
Der große Hundemaler und Kynologe Richard Strebel, selbst Bulldog-Züchter und Mitbegründer des Continentalen Bulldog Clubs charakterisiert vor 100 Jahren den Bulldogs treffend:

Pflegma und Leidenschaft.

Wir haben zwar mehr als 340 Hunderassen, aber ein Bulldog ist nicht zu ersetzen, höchstens durch einen gesunden Bulldog.


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