Hundehandel, Vermehrer &Co

Bei kaum einer Hunderasse ist der Marktanteil an Welpen aus dem Hundehandel so hoch wie gerade beim Bulldog. Der Grund ist ganz einfach: Er liegt im möglichen hohen Profit für unseriöse Anbieter von Bulldog-Welpen. Und, er liegt auch in der Geiz-ist-Geil-Mentalität vieler Bulldog-Käufer. Der Bulldog ist ein relativ kostspieliger Hund, nicht nur in der Anschaffung, doch:

Viele "sparen" - auf Kosten der Hunde - schon bei der Anschaffung

Nicht zuletzt machte es der inzwischen aus dem VDH ausgeschlossene "Allgemeine Club für Englische Bulldogs" durch seine jahrelangen, eklatanten Fehlleistungen den Vermehrern und Hundehändlern leicht, einen großen Marktanteil zu erobern - meist unter Verweis auf die tatsächlichen und vermeintlichen Versäumnisse dieses VDH-Clubs.

Seriöse Bulldog-Zucht ist aufwändig. Es bedarf langjähriger und fundierter Zuchterfahrung. Man muss die Hunderasse gut kennen, Zuchthunde über Generationen beobachten und intensiv testen. Man muss sich auch dazu durchringen können, einen hoffnungsvollen Welpen, den man für die Zucht teuer erworben hat, dann doch außen vorzulassen, falls er sich als zuchtuntauglich erweist. Zuchttauglichkeitstests, wie sie der VDH 2011 für den Bulldog eingeführt hat, stellen aus dieser Sicht ein Kostenrisiko für den Züchter dar.

SockeBulldog - El Dorado der Hundehändler und Vermehrer

Die meisten so genannten Züchter sparen sich diesen Aufwand und nehmen Bulldogs nicht selten aus zwielichtigen Quellen und ohne fundierte Fitness-, Gesundheits- oder gar Zuchttauglichkeitsprüfung in die Zucht. Natürlich wird den Welpenkäufern regelmäßig vorgespielt, man sei genau der Züchter, der die Bulldogs ach so sehr liebe, auf die Gesundheit genau achte und nur die besten Hunde verpaare. Alle solche Züchter haben selbstverständlich den freiatmenden Bulldog, der sich gut bewegen kann. Leider ist meistens das genaue Gegenteil zutreffend. Und es gibt Züchter von "Show-Bulldogs", denen sind marktpreisfördernde Pokale und V1 bei Hunde-Ausstellungen wichtiger, als die Gesundheit ihrer Produkte.

"Da sind Gewinnmargen wie beim Rauschgift, nur ich dafür nicht ins Gefängnis." Ein Hundehändler.

Ein seriöser Züchter investiert hingegen viel in die tiermedizinische Begleitung der Zucht-Auswahl und der Trächtigkeit wie auch der Geburtsrisiken. Ein seriöser Züchter mutet seiner Hündin kaum mehr als 2 Kaiserschnittgeburten zu. Ein seriöser Züchter investiert Tage und Nächte über Wochen hinweg in das Gedeihen und die Sozialisation der Welpen. All das - und noch einige Gründe mehr - rechtfertigen einen Welpenpreis von 1.600-2.000 Euro und etwas mehr bei einem seriösen Züchter in einem seriösen Verein, ja machen ihn notwendig.

Solche Summen ziehen Vermehrer und Hundehändler magisch an

Hier lockt das schnelle Geld - auf Kosten der Hunde. "Züchter" mitten in Deutschland und ganze Hundefabriken zumeist aus den (süd-)östlichen EU-Ländern produzierten im großen Stil. In ehemaligen Schweinemastanlagen werden Rassehundewelpen in industriellem Stil für den Export vornehmlich nach Deutschland und Spanien produziert. Zum Teil werden diese Welpen über Händler direkt per www.deine-tierwelt.de oder Kleinanzeigen in den Tageszeitungen vermarktet. Aber nur die wenigsten dieser "Fabrik-Bulldog-Welpen" werden direkt an den "Verbraucher" vermarktet. Die meisten werden an "Züchter" geliefert.

Hundefabriken produzieren für deutsche "Züchter"

Professionelle Vertriebsagenten sprechen gezielt Bulldog-Züchter an. Viele deutsche "Züchter" haben so bereits seit vielen Jahren ihre "speziellen" Kontakte, teils in als mafiös zu bezeichnenden, internationalen Netzwerken der Bulldog-Vermarktung. Oft wird ein eigener Wurf dann in großem Stil durch just-in-time angelieferte Importwelpen ergänzt. Fallen beispielsweise 6 Welpen in dem Wurf, so werden hierüber 12 und mehr Welpen vermarktet - immer als eigene aus diesem (angeblichen) Wurf deklariert. Solche Welpen werden auch Kuckukswelpen genannt. Aus den Fabriken werden die Welpen für 250,- das Stück lebend angeliefert. Verluste durch schlechten Zustand, zu frühe Entnahme von der Mutter und langen Transport sind bereits eingepreist. Aber auch in Deutschland selbst geht es oft nicht besser für die Hunde zu als in osteuropäischen Hundefabriken. Hier ein TV-Bericht über als "Hobby-Züchter" getarnte Hundehändler bei französischen Bullys. Es gibt sogar Vermehrer, die ihre Bulldog-"Zuchtstätte" im Keller oder in einer Etagen-Sozial-Wohnung bewerkstelligen - natürlich immer verkleidet als eine "die Hunderasse liebende Hobbyzucht". Bulldog-"Zucht" in einer Etagenwohnung ist tierschutzwidrig. So oder so, Rechtsbewusstsein und Respekt vor Mensch und Tier sind in manchen Bereichen der "Zucht"-Szene nicht selten kaum ausgebildet. Gedungene (Klein-)Kriminelle werden angesetzt, um Kritiker mundtot zu machen.


ZDF Zoom Hundehandel"Tierärzte und Händler stecken oft unter einer Decke, sie verwandeln kranke polnische Mischlinge in Rassehunde. Und juristisch kommen wir kaum dagegen an." Staatsanwalt Hans-Jürgen Neufang in der ZDF-Sendung Zoom vom 11.01.2012 "Das Geschäft mit Hundebabys", siehe auch nebenstehenden Screenshot aus diesem Beitrag.

"Papiere", die das Papier nicht wert sind

Ob nun reinrassig oder nicht: Solche Welpen erhalten von den deutschen "Züchtern" "Papiere" von Vereinen, die das Wort Zucht im Namen nicht verdient haben, zuweilen aber auch Papiere von ausländischen FCI-Vereinen gerne aus UK (England), Ungarn, Polen oder Griechenland. Mit Papieren aus England wird dann auch noch ein besonders "echter" Bulldog suggeriert. Wenn so ein Welpe in Deutschland für 1250,- Euro oder auch deutlich mehr verkauft wird, bleibt ein satter Gewinn von 1.000 Euro aus nur einem Welpen. Da illegal, "schwarz" und selbstverständlich am Finanzamt vorbei: Brutto für netto (abzüglich der Gebühren für die "Papiere" und Kosten für die Versorgung bis zum Verkauf, meist noch Impfen für einen in D abgestempelten EU-Pass). Macht man eine solche Aktion zweimal im Jahr, so hat man allein hieraus locker ein mittleres Jahreseinkommen erwirtschaftet. Da verlieren viele "Züchter" jegliche Skrupel. Bulldog-Produktion als Nebenverdienst aber auch zuweilen als Haupteinkommen ganzer Familien-Clans, nicht selten aufgestockt durch Hartz 4. Geschäfte mit dem Bulldog am Rande der Kriminalität .

Ohne verantwortungslose Welpenkäufer kein Hundehandel

Man kann immer wieder nur appellieren: Kaufen Sie ihren Welpen nur Vorort bei einem seriösen Züchter aus einem seriösen Verein oder als Nothund bzw. aus dem Tierheim.

Kauf von Welpen aus dem Hundehandel, per Internet oder Handy mit Lieferservice oder von zwielichtigen "Züchtern" und Vermehren ist Beihilfe zu Tierquälerei, ja macht diese erst möglich:

- Das Leiden krank gezüchteter Bulldogs, die nicht selten vom Welpen an lebenslang den Tierarzt brauchen.
- Das unendliche Leid der als Welpenspender missbrauchten und gnadenlos ausgebeuteten Zucht-Hündinnen.


Leider gibt es nicht wenige Hundeverbraucher, die sich als "Bulldog-Freunde" darstellen, selbst aber ihren Bulldog aus solchen zwielichtigen Quellen "billig" erstanden und damit dieses Leid erst rentabel = möglich gemacht haben. Angesichts von Internet und breiter Aufklärung kann niemand mehr behaupten, er/sie habe von Hundehandel und Hinterhofzuchten nichts geahnt. Von daher ist es nicht verwunderlich, wenn in der so genannten Bulldog Szene ein unseriöser Stil der Argumentation bis hin zu Verleumdungen, Intrigantentum und Bedrohungen weit verbreitet ist.

Tratschen tötet

Qualzucht, Schwarzarbeit, illegale Geschäfte und Hundehandel brauchen eine verlogene Tarnung. Solche Geschäfte erfordern unsachliche Kritik bis Rufmord an seriösen Züchtern, unbestechlichen Vereinsfunktionären, mahnenden Tierärzten und Wissenschaftlern wie auch Kritikern der Missstände in der Zucht. Mit ehrlichen Argumenten lassen sich diese Verbrechen an den Hunden, sei es als Täter, Hehler oder Mittäter, nicht argumentieren.

Es ist ein real blutiges System der Ausbeutung dieser wunderbaren Hunde über das die Maske vermeintlicher "Bulldog-Liebe"ausgebreitet ist.



Die Geschichte vom kurzen Leben von Bulldog Socke

Anzeige von puppy1234 in "www.deine-tierwelt.de": English Bulldog - typvolle Welpen ...

Es ist morgens um 8 Uhr, da klingelt das Telefon bei Leo Geurtzen in Bad Zwischenahn nahe Oldenburg. Leo Geurtzen ist Vorsitzender der Initiative "Bulldogge in Not". Leo Geurtzen erinnert sich:

"Ich habe so was noch nie erlebt. Ich bekam heute Morgen einen Anruf von einer besorgten SockeBulldog Besitzerin. Sie habe sich gestern einen Bulldog geholt und der würde die ganze Zeit röcheln und das würde sich ganz schrecklich anhören. Die ganze Familie hätte die ganze Nacht nicht geschlafen.

Ich habe geraten zum Tierarzt zu fahren um den Kleinen, 10 Wochen alt, untersuchen zu lassen. Was soll ich sagen… Sch….!

Nein Sie möchte das nicht, ich solle den Hund sofort holen!

Ich habe gar nicht mehr diskutiert und Gott sei Dank wohnen sie nur 20 Km von mir entfernt. ... Gestern den Bully geholt und heute wieder abgeben! Sorry, solche Leute haben keinen Hund verdient! Und da habe ich nur an den Kleinen gedacht.
"

Wie sich herausstellt hat die Frau den Hund am Tag zuvor bei einem Hundehändler im nahen Holland gekauft. Für 700,- Euro mit allem Drum und Dran. Das ist weniger als die Hälfte, die ein seriöser Züchter nimmt. Gefunden hatten sie den Hundehändler auf der Internetbörse Deine-Tierwelt.de, die "der heisse draht Verlagsgesellschaft mbH&Co.KG" betreibt. Es ist die größte Handelsplattform für Hunde im deutschsprachigen Raum und zudem auch offizieller Premium-Partner des VDH. Dort bietet auch dieser Hundehändler unter puppy1234 "typvolle Welpen" von nicht weniger als 11 Rassen an. Es hätte nicht viel Mühe und Aufmerksamkeit bedurft, um festzustellen, dass es sich um einen Hundehändler handelt. ...

Und selbst das Mitleid, der Mitleidskauf solcher Welpen wird von den sich bei Deine-Tierwelt.de und anderen Börsen tummelnden Händlern gezielt geschäftlich genutzt. ...

Socke war leider noch nicht über den Berg.
Bei den Behandlungen stellt sich heraus, dass Socke bereits gegen die meisten Antibiotika resistent ist. Die Entzündungen wollen nicht weggehen.
Eine Woche später ist der Bulldog-Welpe tot. Socke hat eine Not-OP nicht überlebt.

(Auszug aus "Schwarzbuch Hund")

(Text Christoph Jung)


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