Bulldog: Thema Hitze

Aufpassen bei Hitze und Aufregung !

Hunde ganz allgemein und Bulldogs speziell kommen mit Hitze schlechter zurecht als mit Kälte. Dabei ist es immer wieder erstaunlich, wie gut Bulldogs auch mit hohen Temperaturen zurecht kommen - aber nur unter bestimmten Bedingungen!

Hugo und MuffinBulldogs gibt es in aller Welt speziell auch in Ländern mit hohen Temperaturen wie Australien, Mexiko, Südafrika oder Brasilien. Viele Bulldogs lieben es zudem ausgesprochen, sich in der Sonne regelrecht braten zu lassen, um dann abrupt eine schattige und kühle Ecke idealerweise mit kaltem Steinboden aufzusuchen. Wenn man aber genau hinguckt, so funktioniert das nur, wenn ansonsten rundrum eine ruhige, entspannte Atmosphäre herrscht, britische Coolness oder Siesta-Stimmung also.

Kommt aber Hitze mit körperlicher Anstrengung und insbesondere emotionaler Aufregung zusammen, so kann die Lage schnell kritisch werden!

Warum?

Rassebedingt
neigt der Bulldog zu starker Erregung. Ein schubartiger, intensiver Ausstoß von Adrenalin und anderen Hormonen war bis 1830 elementare Vorraussetzung, um im Ring als Kampfhund gegen Bullen und andere Gegner zu überleben. Der alte Kynologe und Mitbegründer des CEB (Vorläuferverein des heutigen ACEB) nannte es 1903 treffend "Pflegma und Leidenschaft". Diese Kombination zweier entgegengesetzter Eigenschaften und der schnelle, ja abrupte Wechsel zwischen beiden, macht einen wesentlichen Teil des besonderen Charmes eines Bulldogs. Aber diese Leidenschaftlichkeit kann bei den körperlichen Handicaps vieler heutiger Bulldogs zu einem enormen Risiko für die Gesundheit und das Leben werden.

Zuchtbedingt
hat der Bulldog häufig Probleme mit der Atmung, der Regelung seiner Körpertemperatur und in deren Folge oft auch mit dem Herzen. Hinzu kommt ein deformierter Körperbau mit überbreiten Brustkörben, die zu einer Fehlstellung des Herzens und anderer Organe führen können. Die heutigen Show-Bulldogs haben zudem fast keine Nase mehr, dafür schwere Nasenfalten. Die vitalen Funktionen solcher Nasen sind nachhaltig geschädigt. Ein schwerer Körperbau, kurze Hälse, Bleistift-Luftröhren etc. zählen ebenso zu seiner durch die Zucht deformierten Gesundheit wie die Geburt per Kaiserschnitt. Bei Kaiserschnitt-Welpen fehlt das große erste Einatmen und damit Aufblasen der Lunge bis in die letzte Kapilare, das jedes Säugetier nach seiner Geburt macht. All das führt zu einer massiven Störung vitaler Funktionen. Hier liegt das entscheidende Problem seiner ganzen Gesundheit. Gerade die Nase hat grundlegende Funktionen in der Atmung aber besonders auch in der Thermoregulation der Hunde. Ist die Nase gestört, so ist auch die Fähigkeit eingeschränkt bis aufgehoben, die Temperatur herunter zu regeln. Weitere Störungen der Atemwege, das durch ständige Überlastung geschädigte Herz und anderes tun beim Bulldog ihr Übriges.

Haltungsbedingt
haben nicht wenige Bulldogs Übergewicht. Ich weiß nur allzu gut, wie schwer es ist, den immer bettelnden Augen des Bulldogs zu widerstehen. Aber Übergewicht belastet den Kreislauf und die Lunge nur noch zusätzlich. Zudem ist jede Fettschicht isolierend. So kann innere Hitze umso schlecher abfließen. Auch sollte ein Bulldog regelmäßig bewegt sein, natürlich nicht gerade bei sommerlicher Hitze.
Connor
Atemnot und "hyperthermischer Schock"

All das sind besondere Risiken unter Hitze und/oder Erregung bzw. Belastung. So passiert es nicht selten, dass Bulldogs unter Hitze und Erregung in einen "hyperthermischen Schock" geraten und schließich an Herz- Kreislaufkollaps sterben. Das eigentliche Hauptproblem dabei ist oft die innere Überhitzung, die nicht mehr abgebaut werden kann. Nur die wenigsten Tierärzte erkennen das eigentliche Problem der Überhitzung, behandeln vielmehr einseitig auf Atemnot oder die inzwischen angeschwollenen Atemwege - was richtig aber nicht hinreichend ist. Natürlich ist jede Diagnose individuell und es kann natürlich auch primär ein Problem der Sauerstoffversorgung vorliegen. Aber oft ist es primär ein Problem der gestörten Thermoregulation. Als Therapie (siehe unten) im letzteren Fall kann sogar die Gabe von schnell wirkenden Beruhigungsmitteln als sinnvoll erscheinen (Tierarzt). Entscheidend ist aber die Kühlung des überhitzten Hundes. Natürlich nicht abrupt, vielmehr mit Bedacht, langsam aber stetig. Manche Bulldog-Kenner unter den Veterinären haben speziell hierfür im Sommer gekühlte Infusionen vorrätig.

Sollte der Hund eine anhaltende röchelnde oder extrem schnell hechelnde Atmung zeigen - sofort und dringend den Tierarzt herbeiholen.
Das Gleiche gilt bei sich dunkelrot oder gar schon bläulich verfärbender Zunge.
Das ist ein echter NOTFALL - Lebensgefahr!!

Idealerweise legt man sich einen Zettel mit Spezialisten für solche Notfälle bereit bzw. hat die Nummern im Handy gespeichert.
Aber man sollte es erst gar nicht soweit kommen lassen. Deshalb:

"Bei großer Hitze beachten:
Keine Belastungen aufdrücken
Immer Wasser zum Trinken anbieten.
Auch zum Pfotenkühlen oder Plantschen ist es hilfreich und ein feuchter Bauch kühlt den Bulldog ebenfalls gut ab. Das will aber jeder anders.
Am besten tagsüber in der Wohnung lassen bzw. an einem schattigen Platz im Garten. maximal kleine Spaziergänge, wenn dann in der Morgenfrühe vor acht Uhr.
Keine langen Autofahrten - Wenn unbedingt nötig, nur mit Klimaanlage und an einer Stelle im Auto ohne direkte Sonneneinstrahlung, am besten nachts fahren; immer Wasser zum Trinken bereit halten.

Nie im parkenden Auto lassen - auch nicht "mal eben" kurz. Denn was passiert, wenn Sie "mal eben" kurz aufgehalten werden?

Was tun bei Überhitzung oder Übererregung und damit verbundener akuter Atemnot (Dyspnoe)?

Abkühlen - aber langsam!Möglichst an eine ruhige, kühle Stelle zurückziehen
Ruhe, Ruhe, Ruhe - nur keine Panik, Hektik, Gekreische etc.
Wasser anbieten, eventuell Lippen befeuchten und mit feuchten Tüchern kühlen - ohne Hektik Keine abrupten Kühlungen wie etwa mit einem Eimer Wasser übergießen - Herzschlaggefahr
Am besten ganz langsam von den Füßen aufwärts mit kühlem, nicht eisigem Wasser langsam befeuchten.
Geduldig abwarten, Ruhe, Ruhe, Ruhe Fehler nicht wiederholen!"

(zitiert aus "Bulldogs in Geschichte und Gegenwart")


"Die Beschwerden kurznasiger Hunde können bei warmen Umgebungstemperaturen dramatisch zunehmen und sogar lebensbedrohlich werden. Auch hierfür ist die tatsächliche Ursache zu wenig bekannt.
Es ist nicht primär eine unzureichende Belüftung der Lunge und damit eine Störung des Gasaustauschs, sondern die unzureichende Nasenatmung dieser Tiere.
Im großen Gegensatz zum Menschen, braucht der Hund für die Regulation seines Wärmehaushalts unverzichtbar eine "funktionierende" Nase.
" Professor Dr. Gerhard Oechtering, weltweit führender Experte auf dem Gebiet der Brachyzephalie (zitiert aus "Leipziger Blaue Hefte" 2012, Bd1)


Das A&O ist die Vermeidung riskanter Situationen.

Man sollte von vornherein risikante Situationen meiden. Lieber etwas zu vorsichtig als zuwenig. Gerade die Kombination Hitze und Erregung kann im wahrsten Sinne des Worte tötlich enden. Ansonsten gelten die Hinweise, die bei allen Hunden mehr oder weniger relevant sind. Vorsorge Sehr zu empfehlen ist eine stetige Vorsorge. Am einfachsten ist eine gesunde und insbesondere maßvolle Ernährung sowie regelmäßiges körperliches Training. Aber auch hinsichtlich des Herzens und anderer Funktionen des Körpers sollte man einen Check beim Tierarzt machen lassen. Alles spricht dafür, dass man beim heutigen Stand der Zucht auch bei einem jungen, gesund erscheinenden Bulldog regelmäßig einen ernsthaften Check des Herzens mit Hilfe eines Herz-Ultraschalls machen lassen sollte.

...und die beste Vorsorge ist der Kampf für eine Gesundung der Zucht dieser so einmaligen, wundervollen Hunderasse.


+ Mehr zum Verständnis der Thermoregulation bei Hunden: Prof. Oechtering: Das Brachyzephalensyndrom – Neue Informationen zu einer alten Erbkrankheit.
+ Empfehlungen der FCI zum Thema Dehydratation und Überhitzung


von Christoph Jung

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