Bulldog at a Glance - Wissenswertes auf einen Blick

ACEB
Allgemeiner Club für Englische Bulldogs. Der ehemalige Zuchtverband für Englische Bulldogs im VDH. Nachdem schon der erste Bulldog-Zuchtverband 1976 aus dem VDH (wegen Qualzucht) ausgeschlossen werden musste, wurde 2011 vom VDH-Vorstand wieder Antrag auf Ausschluss des ACEB aus dem VDH gestellt.

Atemnot
In Verbindung mit der Kurzschnäutzigkeit, zu kurzen Hälsen und zu gedrungenen Gebäuden kommt es bei Bulldogs häufig zu Erscheinungen von Atemnot. Eine Folge von Übertypisierungen und Mängeln der Zucht, aber auch von Übergewicht. Schnarchen ist oft ein Symptom von Atemnot. Atemnot muss dringend ernst genommen werden. Ein Bulldog, der zu Atemproblemen bis hin zu Atemnot neigt, muss konsequent besonders bei Hitze geschont werden. Es gibt Operationsmethoden, die die angezüchtete Atemnot lindern können.

Brachycephales Syndrom
Bei einigen Hunderassen (Bully, Mops Bulldog, Pekinese, Boxer etc.) ist im Rassestandard die Verkürzung des Gesichtsschädels festgelegt (Brachycephalie). Dies führt zur Ausbildung des Brachycephalensyndroms oder Brachycephales Atemnot Syndrom, das sich klinisch durch eine Störung der vorderen Atemwege und damit durch eine Verringerung der Atemkapazität äußert. Die Folgen sind verringerte Leistungsfähigkeit bis hin zu Kollapen, die lebensbedrohlich sein können. Weitere Folgen sind: Atmungsprobleme, Belastungsintoleranz, geringe Hitzeintoleranz, häufige Notwendigkeit von Kaiserschnitten. Die Kurzschnäutzikeit führt oft, aber nicht zwangsläufig zu diesen Einschränkungen der Gesundheit.

Dissidenz
Ein zweifelhafter Begriff. Wurde früher vom VDH abwertend für alle Zuchtvereine in Deutschland gebraucht, die sich seinem damaligen Monopolanspruch nicht unterordnen. Heute wird dieser Begriff vom VDH nicht mehr verwendet.

ED
Ellbogendysplasie ist eine Fehlentwicklung des Ellbogengelenks meist bei schnellwüchsiger Hunderassen. Die ED stellt eine vererbte Entwicklungsstörung des wachsenden Skeletts dar.

Ektropium
Das Ektropium ist eine Fehlstellung des Augenlids, meist des unteren. Das Lid ist auswärts gekehrt, meist durch zuviel Masse eines zu faltigen angezüchteten Backenfells. Besonders bei übertypisierten Bulldogs häufig. Führt zu Entzündungen des Lidrandes und der Bindehaut und auf Dauer zur nachhaltigen Schädigung des Auges. Bedarf oft einer lebenslangen Dauerbehandlung.

Entropium
Das Entropium ist eine Fehlstellung des Augenlids, meist des unteren. Das Lid ist einwärts gekehrt, so dass die Wimpern auf der Hornhaut des Auges schleifen. Führt zur dauernden Reizung des Auges und beschädigt die Hornhaut. Muss oft mehrfach operiert werden. Mit Hunden mit angeborenem Entropium sollte nicht gezüchtet werden.

HD
Hüftdysplasie oder Hüftgelenksdysplasie (HD) ist eine Fehlentwicklung des Hüftgelenks. Der Oberschenkelkopf findet in der Hüftgelenkspfanne nur ungenügenden Halt. Die Veranlagung zu HD in jungen Jahren ist erblich bedingt und eine der Hauptauswirkungen der Rassehundezucht. Der Ausbruch wird durch zu starke Beanspruchung von Junghunden oder falsche Ernähung gefördert. Bei alten Hunden kann sie durch Arthrosen bedingt sein. Inzwischen kann die HD-Veranlagung auch per Gentest überprüft werden.

Hundehandel
Ein besonders schlimmer Auswuchs unserer Gesellschaft. Hunde werden meist in Osteuropa unter erbärmlichen Bedingungen produziert, Mutterhündinnen nach ein paar Würfen entsorgt. Allein Transport und Haltung bis zum Verkauf sind oft schon Tierquälerei. Über DHD24/Deine-Tierwelt und andere Kleinanzeigenmärkte werden die Welpen vermarktet. Da mit Bulldog-Welpen hohe Preise erzielt werden können, ist er ein bevorzugtes Opfer von Hundehändlern. Leute, die einen Bulldog per Hundehandel erwerben, sind verantwortungslose Hundeverbraucher und keine Hundeliebhaber. Es ist auch nicht nachzuvollziehen, dass es noch keine staatlichen Sanktionen gegen diese Form der Tierquälerei gibt. Bitte ausschließlich Welpen direkt beim Züchter kaufen!

Inzucht
Inzucht, Engzucht, Linienzucht wird von Züchtern gerne praktiziert, da so die Zuchtergebnisse besser designed und vermarktet werden können. Inzucht ist aber eine ernstzunehmende Erscheinung von Qualzucht, da sie zu Verlust an Vitalität, Anfälligkeit für Krankheiten, Degenerationserscheinungen und oft auch verringerter Lebenserwartung führt. Einfache Regel für den Käufer zur Vermeindung von Inzucht: in der Ahnentafel sollte keine Ahne doppelt vorkommen.

Kaiserschnitt
Die Welpen werden operativ aus dem Bauch der Hündin geholt. Beim Bulldog bereits weit verbreitet und fast schon der Normalfall. Ist ein Ergebnis von Inzucht und Degenerationserscheinungen bei Rassehunden ganz allgemein. Bei Bulldogs wird das Problem durch übergrossen Köpfe verschärft. Mittelfristiges Ziel sollte sein, nur noch Hündinnen zur Zucht zuzulassen, die natürlich werfen können. Bereits jetzt erlauben seriöse Zuchtverbände nur die Zucht mit Hündinnen, die natürlich werfen können sowie max. zweimal einen Wurf per Kaiserschnitt. Die profitorientierte Hundezucht setzt heute - auch beim Bulldog - zunehmend auf terminierte Kaiserschnitte. Es wird also von vorneherein auf eine natürliche Geburt verzichtet und die Welpen nach Zeitplan geerntet. Terminierte Kaiserschnitte sollten verboten werden, das ist systematische Qualzucht.

Kampfhund
Die Vorfahren des Bulldogs wurden zeitweise, als Hundekämpfe in England Mode waren, gezielt für Kämpfe mit Stieren, Bären oder anderen Hunden gezüchtet. Das erforderte eine hohe Kampfbereitschaft und -Kraft bei zugleich sicherer Kontrollierbarkeit durch den Halter. Seit über 200 Jahren wird der Bulldog nicht mehr für diesen perversen "Spass" eingesetzt. Als Erbe aus solchen Zeiten beobachtet man gelegentlich die Tendenz des Bulldogs von unten heraus im Spiel "anzugreifen". Auch gibt es zahlreiche Berichte, dass Bulldogs im Ernstfall äusserst mutig und erfolgreich ihre Familie verteidigen ohne dabei je ausser Kontrolle zu geraten.

Korkenzieherrute
Eine gedrehte, eng anliegende Rute; der Schwanz erscheint wie ein am Anus angenähter Knopf. Tatsächlich eine Verkrüppelung des Rückgrads (siehe , die sich dann hie und da auch an anderen Stellen der Wirbelsäule zeigt und zu tötlichen Problemen führen kann. In der Praxis fast immer problematisch, da der Stuhlgang behindert wird und die Stelle ständiger Pflege bedarf. Eingewachsene Korkenzieherruten führen nicht selten zu ständigem Juckreiz, Einwachsungen und Geschwüren. Die Korkenzieherrute ist ein Beispiel, wie die Gesundheit der Hunde für zweifelhafte Moden von Bulldog-Verbrauchern geopfert wird. Eine Korkenzieherrute wird in der gesundheitsbewußten Zucht abgelehnt.

Kugelherz
In Folge von Atemnot ist das Herz chronisch überlastet und wird mit der Zeit zu einem vergrösserrten Kugelherz. Führt unbehandelt zum Tod oft schon in jungen Jahren.

Künstliche Befruchtung
Wird bei einigen Hunderassen, auch bei Bulldogs, nicht selten angewandt. Oft versichern sich Züchter durch eine künstliche "Nachbesamung", dass ein Deckakt auch erfolgreich ist. Da mangelnde Deckfähigkeit auch eine Degenerationserscheinung ist, sollte künstliche Befruchtung nur in besonderen Ausnahmefällen erlaubt sein.

Liebhaberzucht
In vielen Zuchtvereinen, namentlich auch beim VDH und den dort angeschlossenen Zuchtvereinen gelten Züchter per Satzung als Liebhaber. Die Realität sieht freilich genau anders aus. Reine Liebhaberzuchten sind eine seltene Ausnahme. Meist ist die Zucht ein festes Familieneinkommen. Bei Schäferhund-Züchtern wurde nachgewisen, dass manche mit dieser "Liebhaberei" regelmäßige Jahreseinkommen im sechs- bis siebenstelligen Bereich erwirtschaften - dennoch werden sie von VDH als Züchter aus Liebhaberei geführt. Eine professionelle Zucht ist aber nicht unbedingt zu verurteilen. Eine mit Fachkompetenz und Sorgfalt professionell geführte Zucht ist in der Regel einer unkontrollierten "Hinterhofzucht" vorzuziehen.

Patella - Kniescheibe
Bei Patellaluxation (PL) springt die Kniescheibe aus der Führung. Bei Hunden meist das Ergebnis einer erblichen Fehlentwicklung, wird als Degenerationserscheinung beschrieben. Viele Zuichtverbände haben strenge Regeln gegen Patellaluxation und untersagen den Zuchteinsatz bei Werten grösser PL1.

VDH - Verband für das Deutsche Hundewesen
Die grösste Lobby der deutschen Rassehunde-Züchter. Erhebt einen Monopolanspruch für die Hundezucht und bezeichnet Zuchtvereine ausserhalb seiner Macht abfällig als "Dissidenz".

Zuchtordnung
Mit einer Zuchtordnung (ZO) regelt ein Zuchtverband die Prinzipien seiner Zuchtarbeit. Jeder Zuchtverband sollte naturgemäß eine ZO für die spezielle Rasse, die er züchtet, haben. Als Spiegelbild zur tierschutzrelevanten gesundheitlichen Situation des Bulldogs, veröffentlichen die Bulldog-Zuchtvereine in D weitgehend keine ZO; vielleicht haben sie auch gar keine! Eigentlich ein Skandal - jedes Gerede von gesundheitsbetonter Zucht wird ohne eine ernsthafte ZO obsolet. Auch Einzelzüchter veröffentlichen nur in ganz seltenen Fällen belastbare und überprüfbare Prinzipen und Kriterien ihrer Zucht.

Zuchttauglichkeitsprüfung
Hunde, die zur Zucht zugelassen werden, müssen in den meisten Zuchtvereinen eine Zuchttauglichkeitsprüfung (ZTP) oder Körung erfolgreich ablegen. Leider ist die ZTP nicht selten eine reine Formalität ohne jede Aussagekraft über den wirklichen Gesundheitszustand des Hundes und dessen Zuchttauglichkeit. Eine seriös abgenommene ernsthafte ZTP stellt hingegen ein notwendiges und wichtiges Instrument zur Entwicklung einer verantwortungsbewussten Zucht dar.


----- Dieser Glossar wird laufend ergänzt. Anregungen werden gerne entgegen genommen.

(Beiträge Christoph Jung)