Alternative Bulldogs und solche, die es sein wollen

Angesichts der bekannten gesundheitlichen Probleme besonders bei extrem gezüchteten Englischen Bulldoggen, gibt es seit vielen Jahren auch die Diskussion über einen alternativen, gesunden Ersatz für den English Bulldog. Einige Züchter suchen angesichts angekündigter verschärfter Tierschutzgesetze ein weiteres Standbein oder eine Alternative zu ihrer bisherigen Zucht.

Zum anderen sucht auch das "Milieu" angesichts von Kampfhundeverordnungen und Rasselisten nach Ersatz. Die Lösung der gesundheitlichen Probleme bei den Englischen Bulldoggen ist eine drängende Frage.

Mit dem neuen Standard hat der seit 1870 hierfür verantwortlich zeichnende The Kennel Club, London, die Grundlage für eine Wende in der Zucht nun endlich geschaffen.

Auf Grundlage des neuen Standards von 2009, der seit Oktober 2010 für alle FCI-Vereine verbindlich ist (sein sollte), können gesunden, vitale, robuste Bulldogs gezüchtet werden. Hierzu bedarf es keiner neuen Rasskreationen. Neue "Rassen" - oder die es sein wollen - schaden nur dem Bulldog, spalten den Genpool weiter ein, schaffen nur neue Probleme, aber lösen kein einziges im Interesse der Hunde.

Es gibt schon seit Jahren besonders in den USA, später dann auch Deutschland, etliche Züchter oder besser Vermehrer, die ihren eigene Mischlinge zweifelhafter Herkunft mit dem Titel einer "Rasse" monetär aufwerten wollen. So gibt es wirklich Dutzende von Rassekreationen, die nicht selten nur einen oder zwei "Züchter" haben. Lassen Sie im eigenen wohlverstandenen Interesse die Finger von solchen Scharlatanen!

Es gibt keinen Ersatz für den echten Bulldog. Sämtlichen dieser Bulldog-Abkömmlinge ist dessen einmaliger Charakter, sein herrliches Wesen abhanden gekommen. Bei den zahlreichen Scharlatanen der OEB-Branche ist zudem die Chance sehr groß, einen Problemhund zui erhalten. Annähernd 100%, der bei Bulldogge in Not oder anderen Stellen aufgefallenen Problemhunde, stammen von solchen OEB-Vermehrern.

Es sollen hier nur kurz die Varianten vorgestellt werden, die einen einigermaßen ernsthaften züchterischen Hintergrund haben:

Victorian Bulldog (UK)

"In London in 1985 a breeding program began, led by Mr. Ken Mollett. Mr. Mollett was saddened to see so many unhealthy bulldogs and wanted to bring back the original, taller, healthier bulldog of the 1800's."

Olde English Bulldog, heute Leavitts Bulldogs
(begründet von David Leavitt; USA, UK, D, u.a.)

"Die OEB ist eine Rückzüchtung des Englisch Bulldogs, zurück zu Gesundheit, Vitalität, Fruchtbarkeit und gemäßigtem äußeren Erscheinungsbild." - "Zur Rasse der Olde Type Bulldogs muss erst einmal gesagt werden, dass es sich hierbei nicht um eine neue Rasse handelt, sondern viel mehr um den Versuch, den Hund zu seinen Ursprüngen zurück zu züchten. Das überlieferte Erscheinungsbild der alten englischen Bulldogge wiederherzustellen und dabei die Untugenden der Rasse English Bulldog (wie z.B. Atmungsschwierigkeiten und Probleme der Hündinnen beim Werfen) auszumerzen."

Später änderte Leavitt die Bezeichnung seiner Hunde, da unter dem Segel Olde English Bulldog oder OEB zuviel züchterisches Schindluder getrieben wird.

Continental Bulldog (CH)

"Ziel dieser Versuche war, einen mittelgrossen Bulldog zu schaffen, der alle vom Tierschutz geforderten Voraussetzungen an einen gesunden Hund erfüllt. Die Kreuzungen zeigten jedoch bald, dass eine wesentliche Verbesserung der gesundheitlichen Situation des English Bulldogs schlussendlich auf die Schaffung einer neuen Rasse hinaus lief, einer Rasse, die dem ursprünglichen Typ des Bulldogs nahe kommt."
Heute spricht der CB-Club der Schweiz von seinen Hunden als "sportliche kleine Molosser" - was der English Bulldog nach seiner Kampfhundezeit auch nie war. http://www.continental-bulldogs.ch/

Australian Bulldog (AUS)

"Breeding health and fortitude back into the Bulldog"
http://www.australianbulldogsociety.com/
http://www.australianbulldogs.com/

Alle genannten Varianten sind entweder in der "American Rare Breed Association" registriert, von ihren nationalen Verbänden anerkannt oder führen zumindest ein Zuchtbuch. Darüberhinaus gibt es zahlreiche Varianten, deren Existenzberechtigung als "Rasse" noch fraglicher ist, die vermutlich nur aus kommerziellen Erwägungen einzelner Züchter kreiert wurden. Es mag jeder für sich seine eigene Einschätzung treffen. Für mich persönlich ist bisher keiner dieser verschiedenen Ansätze die überzeugende Antwort auf der Suche nach der gesunden Englischen Bulldogge, die auch eine Englische Bulldogge mit ihrem einzigartigen Charme und Charakter geblieben ist. Der Standard der Englischen Bulldogge jedenfalls steht diesem Ziel grundsätzlich nicht entgegen, ganz im Gegenteil: Der neue FCI-Standard fordert eine gesunden, echten Bulldog!